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Zecken-Biologie für Anfänger

Alle Zecken gehören zu den Milben und Spinnentieren. Sie haben ein Außenskelett aus Chitin, ihr anatomischer Aufbau ist ziemlich ähnlich. Erwachsene (adulte) Tiere haben acht Beine, der Körper ist linsenartig geformt. Am Ende des ersten Beinpaares sitzt das sogenannte Hallersche Organ, das zur Nahrungssuche gebraucht wird. Mit diesem Organ kann die Zecke Wärme und Kohlendioxid registrieren. So findet die Zecke ihr Opfer bzw. “eine warme Mahlzeit”.

 

Fallen Zecken von Bäumen?

Grundsätzlich nein. Zecken sitzen immer in Bodennähe. Die Larven des Holzbocks Ixodes ricinus leben in der Laubstreu am Boden, die Nymphen, das nächstgrößere Stadium, steigt auf niedrige Pflanzen (maximal bis ca. 50 cm), die adulten Tiere sind bis in maximal 1,5m Höhe über Boden zu finden.  Die Zecke läßt sich nur in einer einzigen Situation fallen: wenn sie Angst hat, gefressen zu werden. Wenn man also die Vegetation nach Zecken absucht, lassen sich die Tiere gelegentlich fallen, wenn sie ihr Leben retten wollen.

 

Zecken beißen nicht, sie stechen!

Hat eine Zecke ein Opfer gefunden, klappt sie das Schutzfutteral an ihrem Stechapparat auf und beginnt mit einer Art Säge (“Cheliceren”) die Haut des Wirts aufzuschneiden, damit sie ihren Saugrüssel dort versenken kann. Sie sticht also. Zum beißen wären Ober- und Unterkiefer erforderlich, diese wird man bei Zecken vergeblich suchen.

Beim Saugen nimmt die Zecke Blut auf. Dieses wird im Mitteldarm der Zecke konzentriert und überschüssiges Wasser wird wieder abgegeben. Gleichzeitig muß die Gerinnung des Blutes verhindert werden, deshalb spritzt die Zecke gerinnungshemmende Substanzen und das überschüssige Wasser in die Wunde zurück. Bei diesem Vorgang können auch Krankheitserreger übertragen wären.

 

 

 

Gruppe Schildzecken (= Hartzecken)

 

Die Hartzecken (engl. Hard ticks) weisen einige Gemeinsamkeiten in ihrer Entwicklung auf. Diese verläuft typischerweise in vier Stadien. Nach dem Schlüpfen aus dem Ei benötigt die sechsbeinige Larve eine Blutmahlzeit, ehe sie sich häutet und zur achtbeinigen Nymphe weiterentwickelt. Diese nimmt wieder Blut auf und häutet sich zum adulten, ebenfalls achtbeinigen Tier. Das Weibchen legt nach einer erneuten Blutmahlzeit schließlich 500-2000 Eier ab und der Zyklus beginnt erneut.

 

Eine Schildzecke von vorn. Zu sehen ist der Stechapparat, der von einer Art Klappfutteral geschützt wird. (Bild Steger/Immuno)

 

Schildzecken 1: Gattung Ixodes

Unter den weltweit verbreiteten Zecken der Gattung Ixodes gibt es Arten mit hoher Wirtsspezifität, die nur an bestimmten Wirten saugen. Ixodes hexagonus beispielsweise ist sehr wirtsspezifisch und saugt nur an Igeln. Andere Arten wie Ixodes uriae sind auf Seevögel spezialisiert. Daneben stehen ausgeprochene Generalisten wie Ixodes ricinus oder Ixodes damminii , die von der Eidechse über verschiedene Vogelarten, Kleinsäuger und mittelgroße Tiere bis zu Mensch und Huftier jede Nahrungsquelle akzeptieren. Diese Fähigkeit macht sie als Krankheitsüberträger für den Menschen so gefährlich. Sie übertragen neben Viren (FSME, RSSE) Borrelien, Ehrlichien und Rickettsien.Eine australische Art, Ixodes holocyclus, ist giftig und kann über eine Atemlähmung zum Tod der Wirtstiere (vor allem Hunde) führen.

 

Schildzecken 2: Gattung Dermacentor

Die Gattung Dermacentor, die ebenfalls zu den Schildzecken gehört, ist ganz ähnlich aufgebaut wie Ixodes. Es gibt weltweit zahlreiche Arten, die meist größere Säugetiere wie Schafe oder Rinder befallen.  Bei uns heißt die häufigste Dermacentor-Art deshalb auch oft Schafszecke. Dermacentor überträgt zahlreiche Krankheiten, zum Beispiel Rickettsiosen.

 

Schildzecken 3: Gattung Rhipicephalus

Zecken der Gattung Rhipicephalus (deutsch "braune Zecken") sind verhältnismäßig gut an trockene Gebiete angepasst. Sie benötigen weitaus weniger Luftfeuchtigkeit als andere Gattungen. Dies kann in unseren Breiten unangenehme Auswirkungen haben, weil sie sich auch in der trockenen Luft unserer Wohnungen halten und fortpflanzen können. Dadurch kommt es immer wieder zu Massenvermehrungen von Rhipicephalus in Häusern, nachdem diese – meist mit Hunden aus dem Mittelmeerraum – eingeschleppt wurden. Rhipicephalus spielt eine große Rolle als Überträger von Rickettsien, so zum Beispiel des Mittelmeerfleckfiebers.

 

Rhipicephalus sanguineus (Photo Jürgen Alberti/Dr. Trevor Petney)

Schildzecken 4: Gattung Amblyomma

Die Gattung Amblyomma ist weltweit verbreitet. Sie spielt eine große Rolle als Parasit von Huftieren und Überträger von Krankheiten bei Mensch und Tier. Charakteristische Vertreter sind die amerikanische "Lone Star Tick", Amblyomma americanum, und die südafrikanische Art Amblyomma hebraeum. Übertragen werden vor allem Rickettsien und Ehrlichien.

 

Schildzecken 5: Gattung Hyalomma

Zecken der Gattung Hyalomma sind vor allem Parasiten von Huftieren. Sie übertragen unter anderem das Krim-Kongo-Fieber (CCHF), ein haemorrhagisches Fieber, welches durch ein Virus aus der Gruppe ## ausgelöst wird und große Epidemien unter Menschen und Huftieren verursachen kann (siehe Kapitel 2).

 

 

Gruppe Weichzecken

 

Die Weichzecken unterscheiden sich in ihrer Entwicklung deutlich. Sie haben meist keinen klar definierten Entwicklungszyklus, sondern eine unregelmäßige Zahl von Larvenstadien, die sich nur unwesentlich in ihrer Größe unterscheiden. Viele dieser Zecken sind "nistende", mehr oder weniger seßhafte Zecken, die zum Beispiel Vogelnester oder auch menschliche Behausungen besiedeln und meist in der Nacht zur Mahlzeit ihre Wirte aufsuchen.

 

Weichzecken 1: Taubenzecken (Argas)

Taubenzecken und Fledermauszecken, die zur Gattung Argas gehören, sind sogenannte "nistende" Zecken. Sie bewohnen Nester oder Höhlen und gehen meist nachts auf Nahrungssuche. Dadurch kommt es in vielen Fällen zu einer regelrechten Verseuchung von ganzen Gebäuden mit Taubenzecken. Die Tiere verbergen sich tagsüber in jeder kleinen Ritze im Mauerwerk und können dann zu einer so drastischen Plage werden, daß ganze Gebäude unbewohnbar werden.

 

Weichzecken 2: Ornithodorus

Zecken der Gattung Ornithodorus sind in vielen Ländern der Erde heimisch. Besonders in den tropischen Regionen Afrikas stellt die Art Ornithodorus moubata ein besonderes Problem dar. Diese Art lebt in Grashütten, wo sie sich besonders gut in Nischen verborgen halten kann und oft große Bestandszahlen erreicht. In einigen Gebieten aben die Eingeborenen deshalb die Strategie entwickelt, mindestens einmal jährlich die Hütten abzubrennen, um den Zeckenbestand zu vernichten, und dann neue Hütten zu errichten. Ornithodorus-Arten übertragen verschiedene Arten von Rückfallfieberborrelien.

 

 

Ornithodorus moubata (Photo: Dieter Hassler)