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Standardprozeduren bei frischer Borrelieninfektion

(Erythema migrans und Lymphozytom)

Ein Erythema migrans („Wanderröte“)  ist durch folgende Charakteristika gekennzeichnet:

  • eine meist schmerzlose Rötung der Haut, die sich frühestens 7 Tage nach Zeckenstich zeigt
  • zum Zeitpunkt des Erscheinens ist diese mindestens vier cm groß und breitet sich mit etwa 3mm/Tag aus
  • die Epidermis ist nicht betroffen, daher gibt es keine ekzematösen Anteile (Schuppung, Randwall), die Oberhaut bleibt völlig intakt  (Unterschied Erythem /Ekzem!)
  • im Prinzip entsteht das EM durch das Einströmen von Lymphozyten und Plasmazellen in die Haut, wir können also die zelluläre Immunantwort beobachten.
  • Histologisch sehen wir ein plasmazelluläres Infiltrat






Eine primäre Stichreaktion tritt schon unmittelbar nach dem Stich  auf und ist bedeutungslos!  Diese Reaktion tritt auch nach Stechmückenstichen oder anderen Bagatellverletzungen der Haut auf.

Regel: Alle Hautrötungen, die vor dem siebten Tag auftreten, sind nicht borreliosebedingt!


Ein Borrelienlymphozytom ist nur  eine Sonderform des Erythema migrans. Es tritt häufig am Ohrläppchen oder an der Brustwarze auf, kann aber auch an anderen Körperstellen beobachtet werden, manchmal auch im Zentrum eines Erythema migrans. Es ist gekennzeichnet durch ein etwas dichteres zelluläres Infiltrat, so dass die Haut etwas verdickt ist. Wir haben vor allem bei Re-Infektionen häufiger Lymphozytome gesehen. Histologisch ist ein BL mit dem EM vergleichbar.




Multiples Erythema migrans: In sehr seltenen Fällen kann es gleichzeitig zum Auftreten mehrerer Erytheme an verschiedenen Stellen des Körpers kommen. Dies weist auf eine hämatogene Streuung hin (der Erreger wird über die Blutbahngestreut). Für die Therapie hat dies keine Konsequenzen.


Diagnostik:

Eine Wanderröte ist ebenso wie ein Lymphozytom eine Blickdiagnose! In fast allen Fällen lassen sich noch keine Antikörper nachweisen. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist daher eine Blutuntersuchung zum Nachweis von Antikörpern völlig unnötig und würde eventuell die notwendige Therapie nur verzögern.  In jedem Fall muss auch ohne Nachweis von Antikörpern eine konsequente und sofortige Therapie erfolgen.
Eine Fotodokumentation ist in jedem Falle empfehlenswert!

Therapie:

Fast alle wissenschaftlichen Untersuchungen zur Therapie des Erythema migrans gingen von einer Therapiedauer von 10-14 Tagen aus. Trotzdem hat sich heute weitgehend eine 20-tägige Therapie durchgesetzt, da früher einzelne Therapieversager beobachtet worden waren. Seit Einführung einer 20-tägigen Therapie gibt es praktisch keine Therapieversager mehr.

Standardtherapie:

Erwachsene bekommen 2 bis 3x100 mg Doxycyclin täglich über 20 Tage, Alternativen sind Amoxicillin, Cefuroximaxetil und Azithromycin.
Kinder bekommen Amoxicillin oder Cefuroximaxetil  gewichtsadaptiert über 20 Tage, andere Cephalosporine und Penicilline sind nicht gesichert wirksam.
Reserveantibiotikum ist Azithromycin, andere Makrolide sind schlechter wirksam, Erythromycin sollte vermieden werden.

Notwendige Aufklärung bei Doxycyclin-Therapie:
Calciumhaltige Nahrungsmittel (Milchprodukte, Käse) und Mineralwässer vermeiden!
Hohe UV-Belastung (Sonne, Solarstudio etc.) vermeiden, da sonst Photodermatose droht!

Therapiekontrolle

Drei Monate nach Beendigung der Therapie wird einmalig die Serologie kontrolliert. Zu diesem Zeitpunkt lassen sich oft noch IgM-Antikörper nachweisen. Dies ist nicht beunruhigend. Nur wenn nach drei Monaten auch eine IgG-Serokonversion nachgewiesen wird, beweist dies die noch bestehende aktive Infektion.

Literatur:

Dieter Hassler
Die Lyme-Borreliose: Rationale Diagnostik und Therapie
 Z Allg Med 2007; 83: 25-38 DOI: 10.1055/s-2006-958722    

D. Hassler
Phasengerechte Therapie der Lyme-Borreliose
Chemotherapiejournal 8/2006

Strle F, Ruzic E, Cimperman J:
Erythema migrans - Comparison of treatment with azithromycin, doxycycline and phenoxymethylpenicillin
J. antimicr. Chemother. 30 (1992) 543-550

Strle F, Preac-Mursic V, Cimperman J, Ruzic E, Maraspin V, Jereb M:
Azithromycin versus doxycycline for treatment of erythema migrans: clinical and microbiological findings.
Infection 21(2) (1993) 83-8